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In den Katakomben der Stuttgarter Markthalle

20
Feb

Liebe Stuttgarter Markthalle:  Alles Gute, Altes Haus!  Hundert Jahre bist du gerade geworden, und immer noch schick wie eh und je! Und heiß begehrt auf deine alten Tage, Heiligsblechle!

...happy ever after in the market place…

…happy ever after in the market place…

 

Gerade in deinem Jubiläumsjahr ist die Führung durch deine heiligen Hallen der absolute Buchungsrenner, die Stadtführung Nummer 1! Und glücklich darf sich jeder schätzen, der noch einen der begehrten Plätze auf deinem Rundgang ergattern konnte. Man darf nämlich nicht nur durch deine Gänge flanieren, oh nein: Markthallen-Spezial-Gänger auf Tour dürfen auch durch die Geheimtür, die neben dem Ceresbrunnen eine geheime Welt verbirgt: die Kellerräume der Markthalle.

Unsere Tour heute wird begleitet von Frau Kaufmann, und die hat den Universalschlüssel !

Neidische Blicke von „gewöhnlichen“ Markthallen-Besuchern und Einkäufern streifen unser Grüppchen, als Frau Kaufmann die schwere Türe aufschließt und sich die Treppen offenbaren, die uns zu den Katakomben der Markthalle führen sollen.

 

Andächtig betrachten wir die langen Gänge und Hallen, versuchen durch die Holzlatten zu spickeln und lassen unserer Phantasie freien Lauf. Im zweiten Weltkrieg wurde die Markthalle durch Bombenangriffe schwer beschädigt (und später originalgetreu wieder aufgebaut), die Kellerräume sind allerdings verschont geblieben. Frau Kaufmann berichtet, dass die Kellerräume während des Krieges als Luftschutzbunker gedient haben und so manchen Familien Schutz boten. Einmal, so erzählt sie, habe ein Teilnehmer bei einer Führung hier auf den Boden gezeigt und gesagt: „Da bin ich geboren“. Das war 1944, und seine hochschwangere Mutter hatte während eines Angriffs dort Unterschlupf gefunden. Man kann die Ehrfurcht fast anfassen, die uns bei unserem individuellen historischen Kopfkino befällt.

Heute werden die Verschläge hauptsächlich von den Händlern genutzt, allerdings dienen sie auch als Lager für das Stuttgarter Weindorf oder den Weihnachtsmarkt. Wir verweilen noch ein wenig, doch dann zieht es uns an diesem sonnigen Tag doch wieder an die Oberfläche. Und ein bisschen durch die Marktstände möchten wir natürlich auch noch schlendern, und die Düfte der Gewürze, die Farben der frischen Lebensmittel in uns aufsaugen, und selbstverständlich auch auf ein Schwätzle mit den Händlern verweilen.

Das Schöne an den Markthallen-Ständen ist, dass hier fast alles in Händen von Familienbetrieben aus den verschiedensten Ländern liegt, die hier teilweise seit Jahrzehnten ansässig sind.

Besonders gefällt mir der Herr Ludwig vom Kustermann Stand. Der begrüßt uns ganz herzlich und berichtet von seinen Detektiv-Ambitionen im letzten Jahr, um den Marder zu fangen. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Zeitungsberichte letztes Jahr, als eine Zeitlang jeden Morgen in der Markthalle Lebensmittel gefehlt haben, vor allem von den rohen Eiern wurde nur noch die Schale gefunden. Gesehen, geschweige denn gefangen hat aber keiner den Eierdieb.

Der Herr Ludwig von der Spurensicherung hat dann auf dem Boden Mehl verteilt, und den Marder anhand seiner Pfotenabdrücke identifiziert. Das hat er sich bestimmt beim Tatort-Bienzle abgeschaut, der ist hier ja auch schon mal auf Verbrecherjagd gegangen.

Bis heute ist der Marder aber nicht gefasst worden, und eines Tages war er einfach verschwunden. Ich vermute ja, dass er nach Paris gegangen ist, denn da ist die Markthalle ein bisschen größer. Und die rohen Eier schmecken bestimmt ein bisschen nach Camembert und Bordeaux… Und dann erst die französischen Marder-Mademoiselles, oh là-là… Aber lassen wir das!

 

Marderfänger Herr Ludwig

Marderfänger Herr Ludwig

 

Der Legende nach soll der Winter 1860/61 ein enorm kalter gewesen sein, in dem eine Stuttgarter Marktfrau erfroren ist. Ihr Anblick hat den damaligen König Wilhelm I. von Württemberg dazu bewogen, eine Gemüsehalle aus Glas und Eisen zu errichten, um die Marktfrauen zukünftig vor Wind und Wetter bewahren. Und sie ist nicht nur zweckdienlich, sie ist sogar sehr schön geworden, im schwäbischen Jugendstil. Dem Architekten-Wettbewerb um den Bau der Markthalle durften nämlich nur gebürtige Stuttgarter beiwohnen, und gewonnen hat der Martin Elsässer. Und das hat er mit seinen 26 Jahren so gut gemacht, dass sein Meisterwerk bereits seit 1972 unter Denkmalschutz steht.

 

Das imposante Glasdach der Markthalle gefällt auch Mickey Mouse

Das imposante Glasdach der Markthalle gefällt auch Mickey Mouse

 

Wir schauen uns noch ein bisschen um, und Frau Kaufmann erzählt uns noch so einiges, aber ich möchte euch hier nicht alles vorweg nehmen. Wer auch in den Genuss der „Markthallte Spezial“ kommen möchte, bitte ganz schnell buchen, denn die Tour geht weg wie warme Semmeln (oder rohe Eier, aus Marder-Sicht gesehen).

Wer’s ein bisschen humorvoller möchte, kann sich für die Kostümführung anmelden: „Oimol Naischmegga“ kann man mit dem Dorle, und ein Schnäpsle gibt’s dazu.

 

Also liebe Markthalle, wie du siehst feiern dich deine Anhänger gebührend zum Jubiläum! Auf die nächsten hundert Jahre!

 

Beehren Sie uns bald wieder

Beehren Sie uns bald wieder

 

 



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