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Stuttgart: Geisterführung im Wald – nachts!

26
Jun

Zugegeben, Ende November hört sich nicht unbedingt nach der idealen Zeit für eine Nachtwanderung an, denkt man daran doch eher im Sommer, wenn die Nächte lau sind. An jenem Novembertag aber war es kühl, und die feuchte Luft zog unter die Haut – eigentlich doch eine gute Stimmung für eine Gruselführung durch den nächtlichen Wald!

Treffpunkt war um 19:30 Uhr an der Haltestelle Geroksruhe, von der Innenstadt aus also bequem mit der U15 zu erreichen. Als ich ankam, standen bereits einige Leute da, dick eingepackt, und warteten geduldig, aber auch neugierig auf das, was gleich kommen wird.

Lange mussten ich nicht warten, da kam auch schon unser Guide: Eine junge Frau mit einer Laterne in der Hand. Nach einer kurzen Begrüßung überquerten wir eine Straße. Doch bevor es in den Wald ging, erzählte uns die Geisterführerin die erste Sage. Sie handelt vom Freilichttheater, das es Anfang des 20. Jahrhundert im Bopserwald unterhalb des Fernsehturms gab, von dem aber heute fast nichts mehr zu sehen ist.

Dann verschwanden wir in den dunklen Wald, vorweg die schwarz gewandete Geisterführerin mit ihrer Laterne, dahinter ein gutes Dutzend frierwilliger. Zuerst wanderten wir am Hang oberhalb Stuttgarts entlang. Durch die Bäume funkelten die Lichter der Stadt – ein ungewohnter Anblick! Irgendwann kamen uns Spaziergänger entgegen, die etwas verdutzt schauten, dann aber schnell weiter zogen. Nach einiger Zeit bogen wir in ein Tal ab, wie wir später erfuhren in das Dürrbachtal. Es hieß vorab, wir sollen keine Taschenlampen mitbringen, weil es hell genug sei – ja, es bewahrheitet sich: Man sieht tatsächlich genügend, und die Wege sind so gewählt, dass sie auch bei Dunkelheit wirklich gut zu begehen sind.

Dunkel ist ein gutes Stichwort: Ein irres Gefühl, im Wald zu stehen ohne etwas zu sehen und zu hören. Es war still, nur ein Waldkauz rief durch den Wald – und in der Ferne ein ganz leises Hintergrundrauschen der Verkehrs. Stuttgart halt.

Natürlich blieben wir immer wieder stehen und lauschten der Erzählerin mit ihren spannenden Geschichten. Da wäre die Sage des Irrlichts, das einem verirrten Degerlocher nach Hause brachte, oder aber der blutende Hund im Feuerbachter Tal, der versucht, einen Sack aus dem Unterholz zu ziehen, bis er endlich erlöst wird. Wenig später erzählte sie uns von einem Geist in der benachbarten Falschen Klinge: Im Jahr 953 hatte er und die anderen Arbeiter des Stutengartens im Nesenbachtal sich und die Pferde in Sicherheit gebracht. Sie versteckten sich in der tiefen, engen Klinge und verbarrikadierten den Eingang mit Holz und Reisig. Als dann plötzlich ein Wolkenbruch kam ertranken sie, da sie nun in ihrem Schutz gefangen waren. Nur einer konnte sich retten – sein Geist warnt nun Menschen vor Unwettern. Die ganze Sage könnt Ihr hier nachlesen.

Alle Sagen verrate ich natürlich nicht. Vielleicht mache ich Euch mit diesem Bericht ja neugierig. Wenn Ihr dann schon alles wüsstet, wäre das nicht so gut 😉

Aber das Ende kann ich wieder verraten: Die Nachtwanderung endet nach knapp zwei Stunden auf dem Aussichtspunkt Geroksruhe, von dem aus man als „Zugabe“ noch wunderschön auf das Lichtermeer der Stadt hinabschauen kann.

Fazit: Ein gelungener Abend, bei dem ich im dunklen Wald nicht nur spannende Geschichten gehört, sondern auch noch etwas über Stuttgarts Natur und Geschichte gelernt habe. Und so kalt war es dann gar nicht! Man bewegt sich, und die Führung war so kurzweilig, dass man das Frieren ganz vergaß.

Die Geisterführung „Waldgeister“ findet regelmäßig das ganze Jahr über statt. Hier findet Ihr alle Infos und Termine zur gruseligen Nachtwanderung.



1 Kommentar »

  1. Diese Führung steht bei mir schon lange auf der Wunschliste! Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, wird aber sicher in Kürze nachgeholt 🙂

    Oliver — 7. November 2014 @ 17:41

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