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Stuttgart Lauf 2014

3
Jul

 

Pain is temporary – Pride is forever

Es ist der 29. Juni 2014, kurz vor 9 Uhr. Ich stehe in Cannstatt auf der Benzstraße, zwischen unzähligen anderen Läufern eingepfercht. Seit 6 Uhr früh bin ich schon wach, und das an einem Sonntag. Meine pinken Laufschuhe fühlen sich gut an, der angesagte Regen bleibt aus, vielleicht wird das ja doch was heute, denke ich. Ich schaue mich um und lese in den Gesichtern meiner Mit-Läufer genau das, was ich fühle: Vorfreude, Anspannung, und großen Respekt vor dem, was uns jetzt erwartet. Jemand hält ein Schild hoch: „Pain is temporary – Pride is forever“.

Wenn ich mich umdrehe kann ich die Mercedes-Benz-Arena sehen. Wenn alles gut läuft, bin ich in unter 2 Stunden wieder hier, zum Zieleinlauf im Stadion. Nur ein kleiner Umweg von 21,0975 km…

Irgendwo fängt jemand am Mikro an, einen Countdown zu zählen, PENG, der Startschuss, und wir laufen los.

 

Herzlich Willkommen beim Stuttgart-Lauf

Herzlich Willkommen beim Stuttgart-Lauf

 

 

Auf die Plätze – fertig – los

Es ist der Tag, auf den ich seit einem halben Jahr gewartet habe: der 21. Stuttgart Lauf. Man spricht von 18.000 Teilnehmern insgesamt. Am gestrigen Samstag hat sich bereits die jüngere Generation ausgetobt, auf verschiedenen Runs zwischen 0,7 und 2,2 km. Heute sind wir Großen dran: beim Halbmarathon oder 7 km Lauf, aber auch für den Inline- oder Handbike-Halbmarathon kann man heute eine Medaille absahnen.

Jetzt nur nicht zu schnell loslaufen reden wir uns ein, sonst hält man das nicht durch. Die Veranstalter haben im Abstand von jeweils 5 Minuten sogenannte „Pace-Maker“ mit uns starten lassen. Sie tragen jeweils auffällig bunte Shirts, und ganz wichtig einen Luftballon, auf dem die jeweilige Zielzeit notiert ist. So wird dem ambitionierten Läufer eine große Last abgenommen, und man orientiert sich an seinem gewünschten Luftballon und versucht, diesem hinterher zu laufen.

Wir sind noch nicht mal den ersten Kilometer gerannt, da ruft uns ein älterer Herr aus den Zuschauerreihen zu: „‘S isch nemme lang, glei hen ihr’s gschafft!“ Ja, so könnte man sagen..

 

Souvenir vom Stuttgart Lauf

Souvenir vom Stuttgart Lauf

 

Stuttgart-Tour – mal anders

Unsere Stuttgart-Tour führt uns erst nach Untertürkheim. Es ist schwül, und ich spüre, wie mir die Hitze in den Kopf steigt. Gleich an der ersten Wasserstation greife ich mir einen der gefüllten Plastikbecher und versuche, während des Rennens daraus zu trinken. Die Hälfte schütte ich mir dabei über mein Shirt, die andere schwappt mir ins Gesicht. Der Schluck, der tatsächlich meine Lippen erreicht hat, geht direkt in die Luftröhre… Das Trinken hätte man vielleicht auch mal trainieren können, denke ich mir. Am nächsten Tisch drückt mir ein junger Mann, einer der unzähligen freiwilligen Helfer, noch einen Becher in die Hand, und diesmal bliebe ich stehen, um den erfrischenden Inhalt hinunterzustürzen. Wie die anderen das im Laufen machen ist mir ein Rätsel..

Es ist schön, durch fremde Wohnviertel der Stadt zu laufen. An vielen der Wohnhäuser sind aufgrund der Fußball-WM in Brasilien Flaggen jeglicher Nation gehisst, unabhängig davon, ob die Mannschaften noch im Turnier sind oder nicht. Spanier, Portugiesen und Griechen zeigen besonders gerne Flagge, auch bosnische, französische und italienische Fahnen schmücken die urbane Landschaft. Egal welcher Nationalität die Bewohner angehören, hinter so vielen Fenstern jubeln sie uns zu, auf sämtlichen Sprachen. Okay, ihr könnt es auf die Endorphine schieben, aber in dem Moment als am Horizont die Grabkapelle zu sehen ist, wird mir wieder bewusst, wie sehr ich diese Stadt liebe: die multikulturelle Vielfältigkeit, die großartige Organisation der unzähligen Events und die atemberaubende Landschaft. Wie schön, hier zu leben und durchlaufen zu dürfen!

 

„Quäl dich“

In Untertürkheim macht die Route eine scharfe Kurve, und wir rennen weiter gen Norden. Am Max-Eyth-See haben wir die Hälfte geschafft, doch bis dahin kommen einige mittelgroße Steigungen, die meiner anfänglichen Euphorie einen deftigen Dämpfer verpassen. So schön der Blick aus dem Kessel auf die Berge ja sein mag, für das joggende Fußvolk ist Stuttgarts Topographie eine quälende Herausforderung, und ich fluche ein bisschen über die gerade noch verehrte Landschaft. Bei Freiberg überqueren wir den Neckar und wissen: jetzt ist die Hälfte geschafft! Was anfänglich gut klingt, sagt uns aber nichtsdestotrotz: wir haben noch mal 10 km vor uns.

 

Die Strecke © stuttgart-lauf.de

Die Strecke © stuttgart-lauf.de

 

Da sich mein Lauftraining im letzten Jahr mit 2 Ausnahmen ausschließlich auf 10 km-Läufe konzentriert hat, wird es jetzt interessant. Ich spüre langsam meine Beine, der Nacken tut weh, und ich rechne aus, dass „21“ mehr als das doppelte von „10“ ist, und dass „das doppelte“ ganz schön lange zu sein scheint. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich renne mich in eine Trance, einen Fuß vor den anderen, und meine Schritte werden getragen von den applaudierenden Zuschauern, die trotz der katastrophalen Wettervorhersage ihren Weg zur Strecke gefunden haben, um die Läufer anzufeuern. „Quäl dich“ Schilder werden hochgehalten, und auch Liebeserklärungen… Auch die 16 Bands bzw. Musiker, die am Wegesrand für Unterhaltung sorgen, geben uns immer wieder einen Push!

Leider setzt ein strömender Regen ein als ich bereits den Gaskessel erkennen kann, es muss so bei Kilometer 18 gewesen sein. Bereits kurz darauf bin ich komplett durchnässt, die Straße hat sich in eine große Pfütze verwandelt, und ein Platsch-Platsch-Platsch-Rhythmus begleitet die Schritte meiner schweren nassen Schuhe. Die Helfer am Straßenrand bleiben tapfer und tropfend an den Getränkestationen stehen und verteilen immer noch Wasser an die Läufer.  Ich bin gerührt über diesen Einsatz, vielen lieben Dank an all die freiwilligen Unterstützer.

Als ich die Umrisse der Mercedes-Benz-Arena erkennen kann, verschwinden die Qualen aus Körper und Geist nicht nur bei mir, sämtliche Läufer um mich herum setzen zum Endspurt an, jeder wird auf die letzten Meter noch mal schneller! Wo wir die Kräfte noch hernehmen, ist mir schleierhaft . Beim Überqueren der Ziellinie im Stadion brülle ich sämtliche Flüche die mir einfallen, und gleich geht es mir besser.

endlich da...

endlich da…

 

Ein Blick auf meine GPS Uhr verrät mir, dass ich meine Wunschzeit um fast 4 Minuten unterboten habe: 1:41:42! Da macht mir auch mein „begossener-Pudel-wet-look“ nichts mehr aus.

 

Mission accomplished

Mission accomplished

 

Jetzt aber nichts wie raus hier. Beim Verlassen des Stadions bekommt jeder Läufer seine Finisher-Medaille umgehängt, und kurz vergesse ich den Krampf in meinem Oberschenkel (da weiß ich noch nicht, dass ich 3 Tage lang nicht in der Lage sein werde, Treppen zu steigen). Ich fühle mich wie auf Wolke 21,0975, ein tolles Gefühl!!

Für alle begeisterten Läufer, oder für die, die es noch werden wollen, haben wir hier ein paar ausgewählte Jogging-Strecken in Stuttgart und der Region herausgesucht. Zwei Mal die Woche reicht, langsam steigern, aber das kommt von alleine! Sucht euch eine Motivation (Musik, nette Mitläufer, gute Gedanken), und dann läuft das schon!

Wir sehen uns im nächsten Jahr!! Und glaubt mir, der pain ist wirklich temporary….

 

Das ist meine...

Das ist meine…

 

 

 



1 Kommentar »

  1. Schöner Bericht und eine starke Zeit. Der Anfang liest sich eher nach einer 2:15h Zielzeit, aber da der Regen erst bei 18 Kilometern einsetzte, war schon klar, dass es eine gute Zeit war. Glückwunsch!

    Sebastian — 3. Juli 2014 @ 10:51

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