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Karlsruhe: Spaziergang mit dem Waschweib Mimi

5
Sep

Heute nehme ich um 20.30 Uhr an einer Kostümführung mit abendlichem Spaziergang teil.

Ich bin gespannt, eine ganz „andere“ Stadtführung zu erleben. Heute wird das Waschweib Mimi uns Einblicke in die Geschichte Karlsruhe geben.

 

Pünktlich um 20.30 Uhr treffe ich am Treffpunkt vor der evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe ein und werde sofort sehr herzlich von dem Waschweib Mimi, dem Kutscher Anton und den anderen Teilnehmern der Stadtführung begrüßt.

Waschweib Mimi

       Mimi stellt sich vor

Die heutige Gruppe besteht aus 18 Teilnehmer. Schnell komme ich ins Gespräch mit den einzelnen teilnehmenden Personen und erfahre, dass es Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Karlsruhe, aus der Karlsruher Region und sogar aus Berlin und Offenburg gibt.

 

Bevor wir mit unserem Stadtrundgang starten stellt sich „Mimi“ als Waschweib und ihre Begleitung „Alfred“ als Kutscher des Markgrafen vor.

Als Waschweib wird uns „Mimi“ natürlich geschichtlich Korrektes sowohl auch den interessanten Klatsch und Tratsch der Bediensteten dieser Zeit und den beteiligten Personen erzählen – „ich bin gespannt“ denke ich mir!

 

„Mimi“ trägt ein sehr schickes Häubchen, wie damals üblich. Gekleidet ist „Mimi“ mit einer rüschenbesetzte weißen Leinenbluse, ein rotes Fichu (Schultertuch) einen schwarzen Rock, darunter ein weißes spitzenbesetztes Beinkleid aus Leinen und ihre Füße stecken in weißen grobgestrickten Strümpfen.

 

PortraitMimia

Portrait Mimi

 

Der Kutscher „Anton“ trägt einen schwarzen Anzug mit Zylinder.

 

Damit auch wir komplett in die Geschichte von Karlsruhe eintauchen können, verteilt das Waschweib kleine Schildchen mit Lanyards. Auf diesen Schildchen sind auf der einen Seite kleine Bildchen mit Namen und auf der Rückseite eine Kurzbeschreibung der jeweiligen Person zu finden.

Wer bin ich?            SchildchenWaschweibAusschnitt

Wer bin ich?

Ab diesem Moment werden wir jeweils mit dem entsprechenden zugeteilten Namen der historischen Person angesprochen. Anwesend sind u.a. der Markgraf Karl Wilhelm, Magdalena Wilhelmine, Friedrich Erbprinz von Baden, Anna Charlotte Amalie, Karl Friedrich, Karoline Luise, Luise Karoline Geyersberg/Hochberg, Karl-Ludwig, Prinzessin Amalie, Friedericke Dorothea Wilhelmine, Napoleon,

Stéphanie de Beauharnais, Friedericke Karoline, Luise Marie Auguste Zarin von Russland, Friedrich von Üxküll-Gyllenband. So tauche ich als Luise Karoline in die Geschichte ein.

 

Zuerst stellte uns das Waschweib den Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach vor. Dieser lebte in der Karlsburg in Durlach und frönte seiner Leidenschaft dem Jagen. Hiermit war sowohl das Jagen nach Wild als auch nach weiblichen Schönheiten im Hardtwald gemeint. Verheiratet war Karl Wilhelm mit Magdalena Wilhelm zu Württemberg. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor.

„Kein Wunder“, mutmaßt Mimi, „musste sich Karl Wilhelm öfters im Hardtwald ausruhen“. Und so förderten die Streitigkeiten mit den Durlachern, die Enge der Stadt und die Nähe zu seiner ungeliebten Gattin den Entschluss im Hardtwald eine neue Residenz zu bauen.

 

Lt. Mimi war Karl Wilhelm für sein ausschweifendes Leben bekannt und so erzählte sie uns von den vielen kleinen Karls und Karlines. Das erste Geheimnis das uns Mimi zuflüsterte war, dass Karl Wilhelm täglich mit den Schönheiten Karten spielte. Und wer das höchste Blatt hatte durfte den Nachmittag bzw. die Nacht mit ihm verbringen.

 

Nun kam Friedrich Weinbrenner ins Spiel. Mimi und Friedrich Weinbrenner zeigten uns einige seiner Bauwerke zuerst die evangelische Stadtkirche, die Pyramide vormals Konkordienkirche, später das Hoftheater, St. Stephan u.v.m. In herrlichem Badisch stellte uns Mimi Friedrich Weinbrenner als Planer des klassizistischen Karlsruhe vor. Schwatzend plauderte Mimi über die Beisetzung von Karl Wilhelm in der Gruft und die Entwicklung des Marktplatzes.

 

Nun ging es an der Pyramide vorbei und Mimi quatschte mit uns über den Seismographen der an der Pyramide angebracht ist, um die letzte Ruhe unseres Stadtgründers zu sichern. Wir wagten amüsante Theorien (z.B. „explosionsartiger Vulkanausbruch oder die Mumie lebt…“) bei der Vorstellung, was passieren würde, wenn dieser Seismograph „Alarm“ schlagen würde. Nach abenteuerlichen Thesen unsererseits schlenderten wir zum Schlossvorplatz.

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Mimi plaudert aus dem Nähkästchen

Über Friedrich Erbprinz von Baden berichtete uns Mimi aufgeregt, dass er früh an einer „Brustkrankheit“ starb. „Und seine Gattin Anna Charlotte Amalie sei geisteskrank“, flüsterte uns Mimi hinter hervorgehaltener Hand zu. Weiter tratschte Mimi: „Die Söhne Karl Friedrich und Wilhelm Ludwig werden nun von der sittenstrengen Großmutter erzogen und Anna Charlotte wird von der Außenwelt abgeschirmt“. Mimi  klatschte über den losen Lebenswandel und die amourösen Abenteuer des Karl Friedrich. So verriet uns Mimi: „Seinen Lehrer den Herrn von Üxküll-Gyllenband kann Karl Friedrich nicht leiden und muss viel erdulden. Aber die spätere Ehe mit Karoline Luise ist arrangiert, doch irgendwie haben die Beiden sich doch sehr lieb gewonnen und gscheit ist Karoline Luise auch noch“. „Die Sammlungen von Karoline Luise sind der heutige Grundstock der Staatlichen Kunsthalle und dem Staatlichen Museum für Naturkunde.“

 

BildMimiBotMimi in ihrem Element

                                                                                             

Im Botanischen Garten erklärte uns Mimi den Begriff: „Heirat zur linken Hand“ an dem Beispiel von Luise Karoline von Hochberg zuerst Hofdame später zweite Gattin des Karl Friedrich. Ebenso flüsterte Mimi geheimnisvoll zu uns: „Luise Karoline wird verdächtigt, sie habe den erstgeborenen Sohn von Großherzog Karl und Großherzog Stéphanie nach dessen Geburt durch ein totes Kind ersetzt um ihren eigenen Söhnen die Thronfolge zu sichern. Man behauptet Kaspar Hauser sei ebendieser badische „Kuckucks-Prinz.“

 

Mimi ließ uns auch an der großen Liebe des kränklichen Karl Ludwig mit Amalie und ihren acht Kindern teilhaben. Und so stellte Mimi der Zarin Luise ihre Schwestern z.B. Friedericke Dorothea, Friedericke Karoline und Brüdern vor.

 

So verging die Zeit wie im Fluge und es wurde bereits dunkel. Aber unser fürsorglicher Kutscher „Anton“ war mit Laterne und Licht vorbereitet. „Glück ghabt!“

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„Glück ghabt!“

So ging es über die Hans-Thoma-Straße, Ludwigsplatz,

20140725_215214                                                                                                         Ludwigsplatz

Erbprinzenstraße, Friedrichsplatz, Verfassungssäule wieder zu unserem Anfangs- bzw. Endpunkt dem Marktplatz zurück. Und hoppladihopp schon waren wir wieder auf dem Marktplatz.

 

„Schade – schon fertig“! dachte ich.

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                                     Bis zum nächsten Mal auf einer weiteren Führung!



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