Lieblings-Beiträge

Autoren

Beiträge als E-Mail-Abo

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Themen

Blogroll

Facebook

Nachtwächterrundgang durch Durlach

12
Jan

An einem schönen Freitag abend im November nahm ich  am Nachtwächerrundgang durch das schöne Durlach, dem ältesten Stadtteil von Karlsruhe, auch Mutterstadt von Karlsruhe genannt. Pünktlich um 20.00 Uhr begrüßt uns unser Nachtwächter  Herr Reich in Original-Kostüm am Brunnen vor dem Rathaus Durlach.  Mit einem Horn begrüßte er uns und sang die entsprechende Passage des alten Nachtwächterliedes  :    Hört Ihr Leut’ und lasst Euch sagen: Uns’re Glock’ hat acht geschlagen.

Nachtwächterrundgang Durlach - Treffpunkt Rathausbrunnen Durlach

Nachtwächterrundgang Durlach – Treffpunkt Rathausbrunnen Durlach

 

Früher hatten die Menschen außer der Turmuhr keine Uhr im Mittelalter. Deshalb gingen Nachtwächter durch die Straßen und haben die Uhrzeiten ausgerufen.
Außerdem konnten die Bürger dann  beruhigt schlafen, so lange sie regelmäßig den Nachtwächter hörten. Denn dann konnten sie sicher sein, daß er auf sie achtet und z.B. auch vor Feuer oder  herannahenden Feinden warnen würde.

 

Zwei junge Männer wurden gleich zu Assistenten ernannt und trugen stolz die Hellebarde (eine Mischform von Hieb-und Stichwaffe) und die Laterne des Nachtwächters.

Nachtwächter mit Hellebard

Nachtwächter mit Hellebard

Die Geschichte mit dem „Karle mit der Dasch“ :   Als Markgraf Karl II. hatte er im 16. Jahrhundert die badische Residenz von Pforzheim nach Durlach verlegt. Man sagt er hatte immer eine Tasche (badisch: Dasch oder Dasch) dabei, um direkt die Arbeiter abends mit Bargeld zu entlohnen. Dem Karle mit der Dasch ist ein Denkmal auf dem Rathausbalkon gesetzt.

 

Nun ging es los durch enge, dunkle Gassen bis zum Baderhaus.  Da wird einem mal wieder richtig bewußt , wie gut es uns eigentlich heutzutage geht. Die Leute hatten früher in ihren Häusern noch keine eigenen Badezimmer und gingen von Zeit zur Zeit ins sog. Baderhaus. Dort gab es riesige Badezuber , in denen bis zwischen 5 und bis zu 19 Personen Platz hatten. Allerdings war die Ansteckungsgefahr recht groß und die Leute waren dann vielleicht äußerlich sauber, aber oft wurden gefährliche Krankheiten auf diesem Wege übertragen.  Der Spruch „das Kind mit dem Bade ausschütten“  kommt auch aus dieser Zeit , denn Säuglinge und Kinder wurden zu letzt gebadet.

An vielen alten und wunderschönen Häuser kamen wir vorbei. In einem Stein über der Tür sind oft die Jahreszahlen mit dem Baujahr eingraviert. Bisher war ich da achtlos vorbeigelaufen, jetzt werde ich da sicher mehr drauf achten.  Ein Haus hat sogar den großen Brand von 1689 überlebt.

Historisches Gebäude Karlsruhe-Durlach

Historisches Gebäude Karlsruhe-Durlach

Was mir auch in Erinnerung blieb: 1698 wurde eine Bauordnung erlassen, die eine einheitliche Bauweise vorschrieb.  Im Nachhinein können wir sagen, Gott sei Dank haben sich einige Bürger dieser Anordnung widersetzt, sonst wäre das schöne individuelle Stadtbild im Kern Durlachs nicht gegeben. Allerdings wurden damals hohe Strafen verhängt .
Wir gingen vorbei am alten Schlachthaus, in Durlach und durch das sogenannte Canapéegässchen (ich hoffe ich hab´s  richtig geschrieben)   Der Name rührt daher, dass die Bürger damals ihre Abfälle und noch weiteren „Unrat“  (wir mögen es uns vorstellen oder auch nicht, was da alles dabei war) vor der Haustüre abgeladen haben, in der fruchtbaren Erde wurden dann auch  Blumen gepflanzt, ein Bänkchen vor die Türe und schon war das Canapée fertig…….

Vorbei am ehemaligen Bienleinstor, dem Ochsentor , den ehemaligen Stadttoren von Durlach , ging es immer wieder an entzückenden Häusern vorbei.
Lustig war auch, dass im ehemaligen „Löwenbräukeller“, einer Brauerei, heutzutage ausgerechnet ein Kindergarten beheimatet ist , der Löwenkindergarten, da werden die kleinen „Löwen“ sich sicher wohl fühlen.

Unser Nachtwächter führte uns am Üxküllschen Palais vorbei.  Der Name erinnert an die Türkei, aber lest selbst was es damit auf sich hat:

Das Üxküllsche Palais

Das Üxküllsche Palais

 

Rein konnten wir leider nicht, da muss man schon sehr Glück haben, dass gerade jemand der Bewohner rauskommt und man einen kurzen Blick ins Treppenhaus erhaschen kann. Herr Reich erzählte uns, dass die Treppen noch aus der damaligen Zeit stammen und aus einem Baumstamm geschlagen wurden.  Heutzutage ist u.a. ein Kieferothopäde dort ansässig.  Unser Nachtwächter scherzte, dass der Terminandrang da sicher entsprechend groß sei……
Es ging vorbei an der katholischen Kirche bis zum Basler Tor. Turm, der  herrlich angestrahlt ist. Der Basler-Tor-Turm mit dem Basler Tor ist der letzte noch erhaltene Turm über den Durlacher Stadtmauer-Toren.

Basler Tor-Turm in Durlach

Basler Tor-Turm in Durlach

Der Turm ist normalerweise nicht zugänglich, wird aber regelmäßig am Tag des offenen Denkmals für die Allgemeinheit geöffnet. Beim nächsten Tag des offenen Denkmals, der immer im September stattfindet, werde ich dem „Innenleben“ des Turms auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Also für alle Interessierte:  Save the Date:  13.09.2015 !!!

Da man sich wirklich nicht alle Fakten merken kann , habe ich nochmal recherchiert und für folgende Fakten zusammengestellt:
Das Basler Tor stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert und sicherte bis Mitte des 19. Jahrhunderts den Zugang von Süden. Der Name wurde dem Tor gegeben, weil es Zugang zur Post- und Heerstraße nach Basel war, die Markgrafen hatten dort ein Ausweichquartier (Stadtschloss).
Nach einem Brand am 16. August 1689 wurde der Basler-Tor-Turm wiederaufgebaut und diente zunächst auch als Gefängnis. Eine Zellentür mit eiserner Klappe am Guckloch ist heute noch erhalten.
In den 60er Jahren befand sich hier mehrere Jahre lang ein selbstverwalteter Jugendtreff im Turm des Basler Tors, weshalb er „Roter Turm“ genannt wurde. Während der Studentenrevolte 1968/1969 verlangten sie „mehr Demokratie“. Der Turm wurde schließlich von der Polizei geräumt. Noch bis 1992 erinnerten in den Räumen Parolen an die Vergangenheit. Dann wurden die Wände geweißelt und der Turm mit Elektrizität versorgt.

Wir fühlen uns in die Zeit des 17. Und 18. Jahrhunderts zurückversetzt, als wir durch den Turm des Basler Tors hindurchgehen und Herr Reich uns auf einige Grabdenkmäler des alten Friedhofes aufmerksam macht.  Auch eine uneheliche Tochter unseres Stadtgründers, eine gewisse Caroline wurde hier beigesetzt.  Sie wurde nur 3 Monate alt. Karl-Wilhelm hatte einige auch uneheliche Nachfahren, er war bekanntermaßen dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan. Man konnte seine unehelichen Nachfahren auch nach seinem Tode bedenken, nur musste es dann testametarisch festgehalten werden.

Langsam führte uns der Weg zurück zur evangelischen Kirche, wo unser  kurzweiliger und interessanter Rundgang leider schon zu Ende war.

Mein Fazit:  Durlach  ist immer  einen Besuch wert mit seinen vielen engen Gassen, alten Häusern, Fachwerkgemäuern, netten Kneipen und Restaurants und zur Weihnachtszeit auch dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt.  Unser Nachtwächter hat uns auf originale und originelle Art und  Weise diesen schönen Stadtteil und deren Historie nähergebracht. Alle Teilnehmer waren restlos begeistert.  Absolut empfehlenswert !!! Nähere Infos und Buchung für Gruppen über  Karlsruhe Tourismus   oder für Einzelreisende über die Kunstagentur Bel Etage



Keine Kommentare »


RSS feed for comments on this post. TrackBack URL



Leave a comment



<   Zurück