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Nachts in der Oper: Taschenlampenführung bei den Staatstheatern Stuttgart

25
Jun

Donnerstagabend, kurz vor 22 Uhr. Am Eckensee ist’s ruhig, bis die Türen aufgehen und Ballett-Gäste über die Treppen in den Schlossgarten strömen. Und das sind einige: Immer finden im Opernhaus 1404 Menschen Platz – das sind sogar 8 mehr als in der Staatsoper Berlin. Danach schlägt unsere Stunde: Extra für den Kultur-Donnerstag führt uns Herr Kolossa (Leiter des Führungs-Bereichs) hinter die Kulissen der Staatstheater Stuttgart – dann, wenn niemand mehr arbeitet, die Gänge leer, die Bühne dunkel ist. Licht aus, Taschenlampe an!

Schön beleuchtet: Stuttgarter Oper

Schön beleuchtet: Stuttgarter Oper

Wir sind gespannt: Herr Kolossa führt uns hinter die Kulissen

Wir sind gespannt: Herr Kolossa führt uns hinter die Kulissen

Die Garderobe ist mittlerweile leer, im Foyer ist’s still. Im leeren Opernsaal ist der „eiserne Vorhang“ gerade heruntergefahren: Eine wichtige Brandschutzmaßnahme, der Vorhang muss in 30 Sekunden die Bühne vom Zuschauerraum abschließen und wird vor jeder Vorstellung getestet – wenn er nicht funktioniert, wird die Aufführung abgesagt (ist aber zum Glück noch nie passiert). Gleich davor bietet der Orchestergraben 130 m² Platz – bei Mozart kein Problem, bei Wagner mit 90köpfiger Besetzung schon schwieriger. Die Musiker spielen übrigens live und unplugged und alle Sänger treten ohne Mikrofon auf – das ist gar nicht so einfach, nicht umsonst sagt man auch „schönes Schreien“, immerhin sitzt zwischen Darsteller und dem Publikum das Orchester. Eine beeindruckende Leistung!

Royale Gäste und die Bühne im Dunkeln
In vergangenen Zeiten war auch royaler Besuch nicht selten: Der König hatte neben eigenem Treppenhaus auch einen Salon hinter seiner Loge und darin (1912 eine Sensation!) einen elektrischem Herd für den Pausensnack. Für das „normale“ Volk sorgte und sorgt noch heute die steile Anordnung der Sitze für gute Sicht – immerhin mussten damals komplizierteste Frisuren „überblickt“ werden können. Übrigens, so Herr Kolossa, auch der Grund, weshalb die Sicht auch im 3. Rang super ist.

Allein im Saal: Das Opernhaus mal anders.

Allein im Saal: Das Opernhaus mal anders.

Dann geht’s durch dunkle Vorräume und ein einsames Treppenhaus aufs Herzstück des Hauses, die Bretter, die die Welt bedeuten. Tolles Gefühl, (fast) alleine auf der Bühne zu stehen – und das im Dunkeln! Der Taschenlampe sei Dank sehen wir Tanzteppich und Bühnenbilder, die Galerien und den Arbeitsplatz des Inspizienten. Der Inspizient muss alles im Blick (drei Bildschirmen sei Dank) und Ohr haben: Textbuch und Positionen, Anwesenheit der einzelnen Darsteller, die Musiker und Einsätze.  Er muss alle Abläufe kennen und dafür sorgen, dass die Vorstellung reibungslos „über die Bühne geht“. Was für ein Job!

Markierungen zeigen, was wo hin muss und wie man ungesehen vom Publikum von einer Seite auf die andere gelangt. Herr Kolossa hat jede Menge Insider-Infos – oder wusstet Ihr, dass der Begriff „in der Versenkung verschwinden“ aus dem Theater stammt…?

Unheimlich? Riesenbühne im Schein der Taschenlampe.

Unheimlich? Riesenbühne im Schein der Taschenlampe.

Weiter geht’s hinter die Kulissen: Wir sehen das Prospektmagazin, wo 12 Meter lange Baumwollrollen darauf warten, als Hintergrund auf die Bühne gefahren zu werden, die Requisiten, die Kornsäcke aus „Krabat“, den Turm aus „Tristan und Isolde“. Alles ist perfekt angeordnet, das Bühnenbild muss schnell gewechselt werden können, teils sogar während einer Vorstellung.

Allein in dunklen Gängen: Unterwegs hinter den Kulissen

Allein in dunklen Gängen: Unterwegs hinter den Kulissen

Abenteuerlich: Der riesige Aufzug

Abenteuerlich: Der riesige Aufzug

Von Requisite bis Kostümschneiderei
Der abenteuerliche Aufzug bringt uns zum Malsaal. Hier sind tagsüber wahre Künstler am Werk. Riesige Bilder, lebensechte Darstellungen, perspektivische Zeichnungen, genaue Kopien von historischen Vorlagen werden geschaffen.

Auf dem Weg vom Bühnen- ins Kostümbild erzählt Herr Kolossa vom Alltag der Tänzer und Darsteller: Vormittags wird geprobt,  abends sind Aufführungen,  in den Ballettsälen steht von Montag bis Samstag jeden Morgen dazu Fitnesstraining auf dem Programm – die Tänzer sind Spitzensportler!

Den Weg zum Fundus säumen Puppen jeglicher Art, von Dame bis Heuschrecke. Nachts teils ganz schön unheimlich… 😉

Unheimliche Begegnung: Schaufensterpuppe im Bühnenbild

Unheimliche Begegnung: Schaufensterpuppe im Bühnenbild

Im Fundus finden sich meterhohe Schuhe, Kittelschürzen, Turbane, Vogelköpfe, Torrero-Outfits und noch viel mehr – alleine hier wäre vermutlich eine stundenlange Führung möglich, ohne dass es langweilig wird. Es gibt übrigens sechs (!) Schneidereien im Haus und eine eigene Reinigung. Während wir über die Räume voller sehenswerter Details staunen, erzählt Herr Kolossa Tricks aus Pyrotechnik, Kostümbild und Modisterei – und schon finden wir uns zurück im Foyer…

Die anderthalb Stunden vergingen wie im Flug, so viele interessante Geschichten, Fakten und Details!

Und hier noch mehr Impressionen von unserer Führung:

Das Foyer: Was für ein Ambiente!

Das Foyer: Was für ein Ambiente!

Fast schon gespenstisch, oder?! ;)

Fast schon gespenstisch, oder?! 😉

Regenbogen-Couch und mehr: Schätze der Requisite

Regenbogen-Couch und mehr: Schätze der Requisite

Koffer, Spiegel, Möbelstücke

Koffer, Spiegel, Möbelstücke

Fast schon StreetArt: Wandmalerei in der Staatsoper

Fast schon StreetArt: Wandmalerei in der Staatsoper

Wo Kostüme entstehen...

Wo Kostüme entstehen…

Kuriosa im Schein der Taschenlampe

Kuriosa im Schein der Taschenlampe

Am liebsten würden wir einige der Fundus-Kleider Probe tragen...

Am liebsten würden wir einige der Fundus-Kleider Probe tragen…

Kettenhemd - aber nur aufgemalt!

Kettenhemd – aber nur aufgemalt!



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