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Vorsicht Kunst! Das Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart

2
Jul

An diesem Donnerstagnachmittag glänzt der Glaskubus des Kunstmuseums in der Sonne, auf dem Schlossplatz herrscht heiteres Treiben und Eisschlecken und die Brunnen plätschern. Nur wenige Schritte entfernt erwartet mich heute aber eine ganz andere Welt: Die Kunsthistorikerin Cristjane Schuessler wird mich am Kulturdonnerstag exklusiv durch das Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart führen und mich in die Geheimnisse einweihen, die dort in den vielen Schubladen schlummern.

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Viele Schubladen – viel zu entdecken!

Ein monotones Surren, angenehme Kühle und konzentrierte Stille empfangen mich. Der Trubel draußen ist plötzlich weit weg. Das Archiv Baumeister, das den Nachlass des weltberühmten Stuttgarter Malers, Grafikers und Bühnenbildners Willi Baumeister beherbergt, unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sehr von einem „normalen“ Büro. Schreibtische und meterlange Aktenschränke. Wären da nicht die weißen Handschuhe, die Frau Schuessler trägt und die grauen Pappschilder mit der Aufschrift „Vorsicht Kunst!“, die überall auf den Papierstapeln verteilt stehen. Die sehen erst mal gefährlich normal aus, haben aber mit dem gemeinen Büropapierstapel herzlich wenig zu tun – alles wertvolle Briefe, originale Notizen, unersetzbare Ausstellungskataloge!

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Vorsicht Kunst!

Frau Schuessler gibt mir erstmal eine kurze Einführung. Willi Baumeister hatte in Stuttgart, wo er 1889 auch geboren wurde, als Künstler keinen guten Start. Er sollte sogar von der Akademie geworfen werden, weil er angeblich zu schlecht war! In Paris dagegen war man von seinem Werk sehr angetan, und hier feierte er dann auch seine ersten Erfolge. 1933 wurde er dann von den Nationalsozialisten als „Entarteter Künstler“ geführt, das war erstmal das Ende seiner großen Ausstellungen. Nach dem Krieg wurde er dann aber Professor an der Stuttgarter Kunstakademie und ziemlich erfolgreich. Als er 1955 – ganz plötzlich, und tatsächlich mitten während des Malens – starb, war er DER deutsche Künstler geworden. Sozusagen der „deutsche Picasso“.

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Baumeister war ziemlich schaffenswütig: Allein 2.200 Gemälde und 2.000 Zeichnungen sind überliefert – vom Archiv zusammengefasst in diesem Schmöker.

Jetzt wird es spannend: Frau Schuessler packt für mich „ihre“ ganz besonderen Schätze aus. Da ist zum einen der Ausstellungskatalog zur Stuttgarter Weissenhofsiedlung von 1927, den Baumeister gestaltet hat und mit dem er bekannt wurde. Von vornehmer Zurückhaltung in Sachen Sponsoring hielt man damals offenbar nicht sehr viel, denn in dem kleinen Büchlein ist so viel Werbung abgedruckt („Persil bleibt Persil“), wie man es heute höchstens von der „Vogue“ kennt.

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Um im Ausstellungskatalog zu den Infos zu kommen, muss man sich erstmal durch mehrere Seiten Werbung blättern…

Dann gibt es da noch ein knallgelbes, wild gemustertes Etwas, das sich als von Baumeister gestalteter Vorhangstoff entpuppt. Im Auftrag der ehemaligen Textilfabrik Pausa hat er mehrere verschiedene Textildesigns entworfen. Ganz schön erstaunlich: Auch wenn er zu dieser Zeit bereits ein sehr bekannter Künstler war, hatte er offenbar keine Berührungsängste, auch „kommerzielle“ Aufträge anzunehmen. Aber schließlich predigte er auch seinen Schülern an der Akademie immer, dass man von der Malerei alleine nicht leben könnte.

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Ein Vorhangstoff von Willi Baumeister: Mutige Farbe!

Mein persönliches Highlight ist eine Art Comic-Brief von Baumeister an eine gewisse „Mrs. Brown“, den mir Frau Schuessler als nächstes zeigt. In der Nachkriegszeit war Stuttgart von den Amerikanern besetzt, die auf Baumeister aufmerksam wurden und begannen, seine Werke zu kaufen. So auch Mrs. Brown. Sie bezahlte Baumeister in Naturalien, wie etwa einem Mantel oder mit Zigaretten. Baumeister schrieb brav Dankesbriefe, und weil sein Englisch nicht so gut war, zeichnete er die relevanten Details einfach. Nebenbei erwähnt er dann gleich auch noch, dass das Ballett „Liebeszauber“, für das er das Bühnenbild und die Kostüme entwickelt hatte, genau 22 Minuten Applaus und 18 Vorhänge bekommen hatte. In aller Bescheidenheit, natürlich 😉

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Warum schreiben, wenn man ein weltbekannter Künstler ist?

Nach etwa einer Stunde, in der Frau Schuessler eine Schublade nach der anderen für mich geöffnet und ein wertvolles Werk am anderen hervorgezogen hat, verlasse ich das Archiv durch eine schmale, unscheinbare Tür und bin wieder draußen im warmen Sommernachmittag, die Menschen sitzen in den Cafés. Wenn die wüssten, was sich direkt hier für Schätze verbergen!

 

Alles konnte ich natürlich nicht entdecken, was das das Archiv zu bieten hat. Aber dazu habt ihr ja noch die Gelegenheit – jedenfalls mit ein wenig Glück, denn diese Führung könnt ihr gewinnen!

 

Und hier noch ein paar weitere Eindrücke aus dem Archiv Baumeister:

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