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Haizahnwaffen und Muschelgeld: Im Ozeanien-Magazin des Linden-Museums Stuttgart

4
Aug

Ich bin überrascht: Das Linden-Museum Stuttgart ist hinter den Kulissen ein weit verzweigtes Labyrinth, in dem man sich verlaufen kann. Vorbei an der Schreinerei, Technikräumen, Materiallagern, einer Röntgenkammer für Objekt-Untersuchungen und einem Tiefkühlraum, in dem Exponate, wenn sie neu ins Haus kommen, gegen Schädlingsbefall gefrostet werden, gelange ich mit dem Ozeanien-Referenten Dr. Ulrich Menter in das Keller-Magazin…

Die Schrankanlage im Depot des Linden-Museums Stuttgart

Die Schrankanlage im Depot des Linden-Museums Stuttgart

Es ist eng, und auf den ersten Blick sieht es für mich sehr unspektakulär aus: Ein hoher grüner Schrank reiht sich an den nächsten, sie sind zusammengeschoben, haben außen große schwarze Räder, die wie Steuerräder wirken. Und so funktionieren sie auch: Wenn man daran dreht, öffnet sich eine schmale Gasse, man blickt ins Innere der Schränke und im Linden-Museum buchstäblich in eine andere Ecke der Welt. Faszinierend einerseits: die Vielfalt und Buntheit, auch die Fremdheit der Objekte. Ganz systematisch andererseits: Jedes Ding hat hier seinen festen Platz und ist über eine Inventar-Datenbank verortet. Rund 160.000 Objekte umfasst die Museumssammlung, davon etwa 23.000 aus Ozeanien. Wie in vielen anderen Museen auch, sind im Linden-Museum nur 2 bis 3 Prozent der Objekte ausgestellt. Neben dem Depot im Keller verfügt das Museum über ein weiteres Magazin im Dachgeschoss sowie ein großes Außenlager.

Ozeanien-Referent Dr. Ulrich Menter

Ozeanien-Referent Dr. Ulrich Menter

Ein bedeutender Teil der Ozeanien-Sammlung stammt aus ehemaligen deutschen Kolonien wie Neu-Guinea und zählt schon seit der Gründung des Museums 1911 zum Bestand. Ulrich Menter öffnet einen Schrank.  Zum Vorschein kommen sehr farbenfrohe, schön gemusterte Figuren, die bei Initiationszeremonien zum Übergang vom Kind zum Mann eingesetzt wurden. Um sie bestmöglich zu schützen, werden sie auf extrem säurearmen Papier gelagert. Auch die Kunststoffe, die im Depot verwendet werden, sind nicht einfach nur Plastik: Wichtig ist, dass sie sehr alterungsbeständig sind. Die Bewahrung von Objekten, die viele hunderte Jahre alt sind, ist eine Herausforderung für das Museum. Schließlich geht es – das ist nicht übertrieben – um nicht mehr und weniger als das Bewahren von Weltkulturerbe.

Masken der Abelam, Maprik-Gebiet, Papua-Neuguinea

Masken der Abelam, Maprik-Gebiet, Papua-Neuguinea

Im nächsten Schrank ein veritables Waffenarsenal: Speere, Pfeile, Keulen, Lanzen, Jagdbumerangs der Aborigines und Haizahnwaffen. Daneben entdecke ich bemalte Masken und Rindenmalerei, aber auch ganz normale Alltagsgegenstände wie Koch- und Essgeschirr. Und es gibt Muscheln. „Das sind keine Strandsouvenirs, das ist harte Währung“ erläutert Ulrich Menter. Tatsächlich wurde früher mit Muschelgeld auf vielen Südseeinseln bezahlt – heute hat es jedoch nur noch traditionelle Bedeutung. So erzählen viele Dinge ungewöhnliche Geschichten, auch das wertvollste Stück der Sammlung: Das so genannte „Totenboot“ ist eine malanggan-Skulptur von der Insel Neuirland, die zu Papua-Neuguinea gehört. Es zeigt die Form eines Fisches, auf dem neun männliche und eine weibliche Person sitzen, die zusammen bei schwerer See umgekommen sein sollen. Im Flur des Magazins schließlich steht eine mächtige Figur, deren bizarre Frisur teilweise aus Spinnweben gefertigt wurde – sicher nicht ganz einfach zu konservieren!

Angelhaken aus Papua-Neuguinea

Angelhaken aus Papua-Neuguinea

Mela-, Mikro- und Polynesien: Ozeanien ist viel Wasser und ganz viele Inseln mit Namen, die uns oft nicht unmittelbar geläufig sind. Die größeren Landmassen, die zum Referat von Ulrich Menter zählen, sind Papua-Neuguinea, Australien, Neuseeland – und Hawai‘i. Diese Sammlung wird 2017 für eine große Sonderausstellung vom Keller einen Stock nach oben befördert. Ich freu‘ mich schon darauf!

 

Für den Kulturdonnerstag berichtete Konrad Vogel.



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