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Kulturdonnerstag: Rendezvous mit einer Mätresse – Eine private Kostümführung im Residenzschloss Ludwigsburg

15
Sep

 

5

Ich habe mir für diesen Abend in Ludwigsburg nichts weniger vorgenommen als eine Zeitreise. Und zwar ins Jahr 1838. Die Mätresse Amanda – zugegeben, es handelt sich um Schlossführerin Regina Kemle – wird mich durch das Residenzschloss führen und mich dabei in ein paar pikante Geschichten aus dem Schlossalltag einweihen. Sie muss es ja wissen.

Schreiten, nicht laufen, bitteschön!

Schreiten, nicht laufen, bitteschön!

Eine Mätresse im Wartemodus

Dass sie ihre Rolle wirklich verinnerlicht hat, zeigt sich schon bei ihrer Reaktion auf meine Frage, wie sie es bei sommerlichen Temperaturen in dem aufwendigen Kleid aushält. Die besteht nämlich nur aus diskretem Schweigen. Zu meinem Glück ist Diskretion ansonsten ein Fremdwort für sie. Sie sei mit ihrem Geliebten, einem engen Freund des Königs Wilhelm I., hier verabredet, vertraut sie mir an. Er habe sich aber verspätet – was leider häufiger vorkomme – aber da wir beide ja schon mal hier seien und sie sich auskenne, könne Sie mir in der Zwischenzeit auch ein paar Räume des Schlosses zeigen…?

Wir betreten das Schloss und kurz vor der ersten Treppe habe ich schon einiges falsch gemacht. Zwar trage ich glücklicherweise keine Hosen, sondern einen Rock, aber der ist ja wohl deutlich zu kurz. Außerdem darf ich die Treppe nicht einfach nur hinauflaufen („geradezu bäuerlich“), sondern bitteschön schreiten. Wie ich mir sonst vorstelle, jemals die Aufmerksamkeit eines einflussreichen Herrn am Hofe zu wecken?

Tür um Tür wird für mich geöffnet

Tür um Tür wird für mich geöffnet

Amanda hat in ihrem feinen Damenhandtaschen-Beutel einen rasselnden Schlüsselbund versteckt, mit dem sie mir Tür um Tür öffnet. Über den knarrenden Holzboden gehen wir durch menschenleere Schlossflure.

Die „vergessene“ Ehefrau

Herzog Eberhard Ludwig, der Erbauer des Residenzschlosses Ludwigsburg, hat es Amanda besonders angetan. Er hatte vorher im Alten Schloss in Stuttgart gelebt und dann ab 1704 hier im Wald ein Lust- und Jagdschloss bauen lassen. Verheiratet war er mit Johanna Elisabetha von Baden-Durlach, die er bei dem Umzug nach Ludwigsburg einfach in Stuttgart „vergaß“, wie mir Amanda mit wohligem Schaudern zuraunt. Der Grund dafür hieß Wilhelmine von Grävenitz. Sie wurde von ihrem eigenen Bruder nach Württemberg geschickt, um den Herzog – naja – „kennenzulernen“. Der Plan ging auf, Eberhard Ludwig verliebte sich unsterblich und Wilhelmine war 25 Jahre lang amtierende Mätresse am württembergischen Hof. Und mischte sich wohl auch in die Regierungsgeschäfte ein.

Das einzige gesicherte Bildnis der Mätresse Wilhelmine von Grävenitz

Das einzige gesicherte Bildnis der Mätresse Wilhelmine von Grävenitz

Ebenfalls eine Mätresse, ist Amanda verständlicherweise begeistert davon, dass Herzog Eberhard Ludwig Wilhelmine sogar heiratete (wenn auch heimlich). Als das aber schließlich herauskam (ein Bigamist!) gab es einen großen Aufstand. Am Ende reaktivierte der Herzog dann aber doch wieder seine Ehefrau Johanna Elisabetha. Um zu erfahren warum, müsst ihr wohl unten am Gewinnspiel teilnehmen und selbst mit Amanda sprechen. Dann fragt sie am besten auch gleich, warum Eberhard Ludwigs Schwester Eberhardine nach einer peinlichen Aktion als alte Jungfer sterben musste. (Mit 31, wohlgemerkt.)

Eberhardine, die liebesunglückliche Schwester des Herzogs

Eberhardine, die liebesunglückliche Schwester des Herzogs

Geschwätzig durchs Schloss

Amanda schreitet mir würdevoll voraus, von einem Raum in den nächsten und ich verliere vollkommen die Orientierung. Mal weist mich Amanda schwatzend auf ein Bildnis des ach so männlich aussehenden Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden hin, bittet mich aus Gründen der Sittlichkeit, mir in einem Raum mit Gemälde-Darstellungen von nackten Damen doch besser die Augen zuzuhalten oder berichtet mir von der schwierigen Ehe der Königin von Preußen – „12 Kinder, aber zeitlebens eine gute Figur!“.

Das Spiegelkabinett, einst Schlafzimmer von Herzog Eberhard Ludwig

Das Spiegelkabinett, einst Schlafzimmer von Herzog Eberhard Ludwig

 

Diese Vase ist aus Porzellan – die Blumen auch

Diese Vase ist aus Porzellan – die Blumen auch

 

Von dieser Loge aus konnte sich der Herzog ganz den Damen auf der Bühne widmen

Von dieser Loge aus konnte sich der Herzog ganz den Damen auf der Bühne widmen

Avancen im Schlosstheater

Im Schlosstheater erklärt mir Amanda vergnügt, dass Herzog Karl Eugen – der Nach-Nachfolger von Herzog Eberhard Ludwig – zwar mit einer der schönsten Prinzessinnen Europas verheiratet gewesen sei. Dass ihn das aber nicht davon abgehalten hätte, allabendlich von einer kleinen Loge ganz vorne die Schauspielerinnen anzuhimmeln. Und dabei ist es dann wohl nicht immer geblieben, wenn ich Amandas Äußerungen richtig interpretiere.

Schnell zeigt mir Amanda noch die Ahnengalerie. Auf dem Porträt einer eleganten Dame bewundere ich das Kleid. Amandas einziger Kommentar dazu ist, dass diese Dame ihr erstes Kind nach siebenmonatiger Ehe geboren hat. Wir schweigen beide.

Im Schloss Ludwigsburg

Die Ahnengalerie – nur Porträts von Damen, die einen Thronfolger von Rang geboren haben, werden aufgenommen

Am Ende der Ahnengalerie erinnert sich Amanda wieder an ihre Verabredung, der Schlüsselbund verschwindet wieder im Beutel und meine private Zeitreise endet. Den Namen ihres geheimnisvollen Liebhabers – in dieser Hinsicht wieder sehr diskret – hat sie mir natürlich auch am Ende nicht verraten. Aber versucht es selbst, denn diese Führung könnt ihr gewinnen!

Eine Kutsche, völlig verstaubt

Eine Kutsche, völlig verstaubt



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